Timo Lamour
February 19, 2026

Robert Dönges von Kordiam: Warum Planung und Publishing nicht mehr getrennt funktionieren

Kordiam ist Spezialist für redaktionelle Planung und Integrationspartner von Purple. Das Hamburger Unternehmen arbeitet weltweit mit über 250 Medienmarken zusammen, darunter The Times, RTL, Süddeutsche Zeitung und Badische Neueste Nachrichten. Laut der Branchenpublikation kress pro ist Kordiam das meistgenutzte Planungstool in Redaktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Robert Dönges ist Partner und Integration Manager bei Kordiam und verantwortet unter anderem die technische Zusammenarbeit mit Purple. Im Interview spricht er darüber, wo redaktionelle Planung heute noch an Systembrüchen scheitert, was die bidirektionale Synchronisation in der Praxis verändert und welche Entwicklungen Newsrooms im Jahr 2026 prägen werden.

Die Herausforderung: Wenn Planung an Systembrüchen scheitert

Moderne Redaktionen jonglieren mit Komplexität und Tempo gleichzeitig. Wo bricht die Planung in deiner Erfahrung zuerst zusammen und wie schafft es Kordiam, Komplexität sichtbar zu machen, wo sie hilft und unsichtbar zu halten, wo sie stört?

Planung scheitert am häufigsten an unverbundenen Systemen und inkonsistenten Metadaten. Wenn Redaktionsteams mit Spreadsheets, mehreren Kalendern oder Ad hoc-Dokumenten arbeiten, leben wichtige Informationen an unterschiedlichen Orten, und dann werden Deadlines verpasst oder Aufträge doppelt vergeben. Kordiam balanciert Komplexität, indem wir die wesentlichen Planungselemente für Redaktionsleitungen hoch sichtbar machen, etwa Story-Prioritäten, Zielgruppen, Publikationsfenster und Aufgaben, während die Oberfläche für Reporterinnen und Reporter sauber und kontextgerecht bleibt. Redaktionsleitungen sehen in der Story Card auf einen Blick alle Planungsfelder, Deadlines, Zielgruppen, Aufgabenzuweisungen und den Synchronisationsstatus.

Aus eurer aktuellen Arbeit mit einem deutschen Regionalverlag: Welche Pain Points konnten sie hinter sich lassen und welche Early Wins zeigten sich am schnellsten?

Der Regionalverlag kam von einer fragmentierten Tool-Landschaft, die es unmöglich machte, einen redaktionsweiten Überblick über anstehende Arbeiten zu bekommen. Die größten Pain Points, die früh eliminiert wurden, waren fehlende Transparenz, isolierte Redaktionspläne und manueller Koordinationsaufwand. Mit Kordiam gewannen sie eine gemeinsame Planungsumgebung, in der jedes Ressort sieht, woran die anderen arbeiten. Das reduziert Überschneidungen und ermöglicht bessere Zusammenarbeit. Zu den schnellsten Erfolgen gehörten klarere redaktionelle Abstimmung, weniger Zeit für Update-Nachfragen und ein Gefühl der Kontrolle über anstehende Geschichten. Redaktionsleitungen sagten uns, dass sie jetzt weniger Zeit mit Planungslogistik verbringen und mehr Zeit für die Qualität der Berichterstattung haben.

Viele Teams versuchen, Legacy-Workflows einfach in neue Tools zu importieren. Was ist dein Rat, um Workflows stattdessen neu zu denken?

Legacy-Workflows basieren oft auf traditionellen Arbeitsmethoden, die vom Print geprägt sind, und spiegeln Workarounds wider, keine optimierten Prozesse. Unser Rat lautet: Denkt den Workflow auf Basis redaktioneller Ziele neu, nicht auf Basis von Tool-Gewohnheiten. Beginnt mit der Frage: Welche Ergebnisse wollen wir optimieren? Brauchen wir zeitnahe Publikation? Besseres Zielgruppen-Targeting? Weniger Nacharbeit? Sobald ihr das Ergebnis kennt, designed den Workflow um diesen Zweck herum, und dann passt die Tools dazu an, nicht umgekehrt. Tools wie Kordiam sind am effektivsten, wenn Teams sie als Koordinations-Hubs nutzen, statt alte Prozesse unverändert hineinzukippen. Das bedeutet oft: Schritte vereinfachen, redundante Status-Updates entfernen und Metadaten-Felder von Anfang an nutzen (nicht erst nach der Publikation), sodass Redaktionsleitungen und Reporterinnen immer denselben Kontext haben.

Was Kordiam einbringt: Die Rolle der Partnerschaft mit Purple

Was erreichen Verlage mit der Kombination Kordiam + Purple, das Stand-alone-Tools nicht leisten können?

Durch die Kombination von Planung (Kordiam) und Publishing (Purple) bekommen Verlage einen durchgängigen redaktionellen Workflow von der Idee über den Plan zum CMS-Entwurf bis zur Publikation, ohne doppelte Arbeit und ohne Reibungsverluste zwischen Planung und Publishing. Stand-alone-Tools stoppen oft bei der Planung oder synchronisieren nur Teildaten. Mit der Integration werden geplante Stories direkt in Purple angelegt, mit Metadaten, Status, Zielgruppen und geplanten Publikationsdaten. Updates synchronisieren sich bidirektional, sodass das, was im CMS steht, immer den aktuellen Planungsstand widerspiegelt. Das eliminiert manuelle Dateneingabe und garantiert eine einzige Quelle der Wahrheit für Status und Content-Metadaten.

Welche Kordiam-Fähigkeiten entfalten den größten Nutzen, sobald sie mit Purples Headless-CMS verbunden sind?

Den größten Nutzen bringen die bidirektionale Synchronisation und die Durchsetzung von Content-Metadaten. Geplante Stories fließen mit allen bereits ausgefüllten Feldern nach Purple, das spart Stunden manueller Eingabearbeit. Gleichzeitig fließen Änderungen, die direkt in Purple gemacht werden, zurück nach Kordiam. Das reduziert Fehler, vermeidet Versionsdrift und hält die redaktionelle Planung im Einklang mit dem, was tatsächlich publiziert wird.

Workflow-Integration und konkrete Auswirkungen

Kannst du uns von einer Kordiam Story Card bis zum Purple-Entwurf mitnehmen? Was genau wandert mit, was synchronisiert zurück und wo spüren Redaktionen die Zeitersparnis?

Wenn eine Story in Kordiam angelegt und einer Purple-Plattform zugewiesen wird, passiert Folgendes:

  • Titel, Beschreibung, geplantes Publikationsdatum, Publikationsstatus und weitere Custom Fields wandern automatisch nach Purple
  • Purple erstellt einen Draft-Beitrag mit diesen vorausgefüllten Informationen
  • Updates in Kordiam (z.B. Status-Änderungen, Deadline-Verschiebungen) synchronisieren sich zu Purple. Redaktionelle Änderungen in Purple können zurück zu Kordiam synchronisieren, um den Plan aktuell zu halten

Redaktionen sparen Zeit, weil niemand die Story manuell im CMS neu anlegen oder Metadaten erneut eingeben muss, alles ist automatisiert und immer aktuell.

Wie reduzieren Kordiams Upload-Links und Content-Metadaten-Durchsetzung Fehler und schützen den CMS-Zugang?

Kordiams Upload-Links ermöglichen es Reporterinnen und freien Mitarbeitenden, Stories direkt in das Planungs-Tool einzureichen. Redaktionelle Planende können den eingereichten Content prüfen, bevor er zu Purple weitergeleitet wird. Die Durchsetzung von Content-Metadaten stellt sicher, dass jede Story die für die Publikation notwendigen Informationen enthält und redaktionelle Standards erfüllt werden.

Ausblick: Was in den nächsten 12 Monaten kommt

In den nächsten 12 Monaten: Welche Roadmap-Schwerpunkte haben für euch höchste Priorität und wie wird euer neues KI-Tool Kordiam als Planning Source of Truth stärken?

In den kommenden 12 Monaten konzentriert sich unsere Roadmap darauf, Kordiam als zentrale Planungsquelle der Newsroom-Wahrheit zu stärken, durch strukturiertere Planung, bessere Sichtbarkeit und stärkere Grundlagen für zukünftige KI-Unterstützung. Zu den wichtigsten Prioritäten gehören die neue Story Card, die die bisherige Detailseite durch ein einheitliches Interface ersetzt, und Story-Templates, die Teams helfen, über Ressorts hinweg konsistenter zu planen. KI ist noch nicht direkt in Kordiam eingebettet, aber 2026 launchen wir Skimmr, unsere KI-gestützte Story-Discovery-Engine. Skimmr bringt übersehenes Quellenmaterial ans Licht, um tiefere Story-Entwicklung zu unterstützen, während Kordiam der zentrale Ort bleibt, an dem redaktionelle Entscheidungen, Prioritäten und Umsetzung koordiniert werden. Zusammen verstärken diese Initiativen Kordiams Rolle als vertrauenswürdiger Planungspartner, nicht nur als Planungs-Tool.

Was siehst du derzeit in Newsrooms: Welche Veränderungen werden 2026 am stärksten prägen und wie positioniert Kordiam Redaktionsteams, um in diesem Umfeld zu gewinnen?

Die großen Veränderungen sind datengestützte Planung, plattformübergreifende Synchronisation und KI-unterstützte Workflows. Newsrooms, die Silos zwischen Planung und Publishing aufbrechen, werden diejenigen übertreffen, die diese Funktionen getrennt halten. Kordiam positioniert Teams für den Erfolg, indem wir die einzige Quelle der Wahrheit für redaktionelle Arbeit sind, uns tief mit Publishing-Plattformen wie Purple integrieren und die Grundlagen schaffen, um KI in die Planung zu bringen, damit Teams schneller reagieren, smarter planen und mit mehr Zuversicht publizieren können.

Über Kordiam

Kordiam (ehemals Desk-Net) ist ein spezialisiertes Planungstool für Newsrooms, Zeitschriftenredaktionen, Rundfunkteams und Kommunikationsabteilungen. Es ermöglicht strukturierte, transparente Workflows von der strategischen Themenplanung über die Redaktionskonferenz bis zur Aufgabenverwaltung und Veröffentlichung. Gegründet 2011 in Hamburg von Matthias Kretschmer hat Kordiam heute ein Team von über 40 Mitarbeitenden und arbeitet weltweit mit mehr als 250 Medien- und Kommunikationsmarken zusammen. Zu den Kunden zählen unter anderem The Times, RTL, Süddeutsche Zeitung und Badische Neueste Nachrichten. Laut Branchenpublikation kress pro ist Kordiam das meistgenutzte Planungstool in Redaktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Integration zwischen Kordiam und Purple ist bereits bei zahlreichen Verlagskunden wie der Börsen-Zeitung und OM-Medien erfolgreich im Einsatz und schafft durchgängige Workflows ohne Medienbrüche.