5 Erkenntnisse von der TFGM 2026 für alle, die nicht dabei waren
Alte Druckerei Hannover, 700 Teilnehmende, zwei Tage aus Deep Dives, Keynotes, Panels und sehr vielen Gesprächen dazwischen. Ich war beim Summit „The Future of German Media" vor Ort, zusammen mit Hauke Berndt, CEO von unserem Partner ppi Media, an einem gemeinsamen Stand. Zwei Tage lang ein guter Gradmesser dafür, wo die Branche tatsächlich steht.

Was ich mitgenommen habe, sind weniger einzelne Neuheiten. Eher fünf Beobachtungen, die zeigen, was Verlage jetzt beschäftigt.
1. Die Branche weiß, dass es ernst ist. Jetzt muss Tempo kommen
Thomas Düffert hat das Summit mit einer Keynote eröffnet, die an Klarheit nichts vermissen ließ. Seine zentrale Botschaft: Print wird zur Finanzierung von Journalismus nicht mehr lange ausreichen. Das Zeitfenster für den Aufbau tragfähiger digitaler Geschäftsmodelle ist jetzt offen. Düffert sprach von „Crunchtime" und formulierte es so: Die nächsten drei bis fünf Jahre entscheiden über die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte im Journalismus. Starke, vertrauenswürdige Medienmarken seien dabei der entscheidende Erfolgsfaktor. Die aktuellen medienpolitischen Rahmenbedingungen sah er kritisch, Medienpolitik in Deutschland sei ein Transformationsrisiko.
Meine Einschätzung: Die Erkenntnis ist da. Die Bereitschaft zur Veränderung auch. Was häufig noch fehlt, ist die Umsetzungsgeschwindigkeit. Viele Verlage wissen, wohin sie müssen. Aber interne Prozesse, Strukturen und Entscheidungswege halten nicht immer Schritt mit dem, was der Markt verlangt.
2. KI ist Betriebsmittel, kein Experiment mehr
Der Ton in Hannover war ein anderer als noch vor einem Jahr. Weniger Staunen, mehr Praxis. Die Phase des Ausprobierens ist in vielen Häusern vorbei und die Verlage, die am weitesten sind, haben KI als Infrastruktur gedacht, nicht als Projekt.
Das zeigten drei Beispiele besonders deutlich. Louisa Riepe von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtete, wie die NOZ seit fünf Jahren mit KI arbeitet und heute regionale KI-Bots zur Leserbindung einsetzt. Markus Knall von Ippen.Media beschrieb den Aufbau einer KI-gestützten Produktionslinie, um Inhalte zu erstellen, die es ohne die Technologie nicht gegeben hätte. Und Stefan Betzold von Bauer Media zeigte mit TONI OS eine Publishing-Plattform, die generative und agentische KI direkt in redaktionelle Workflows integriert.
Ezra Eeman, Strategy and Innovation Director bei NPO und Leiter der WAN-IFRA AI in Media Initiative, hat einen Punkt auf den Tisch gebracht, der in vielen Gesprächen noch zu kurz kommt: Die strategische Frage ist nicht mehr, wie KI in den eigenen Verlag kommt, sondern wie die eigenen Inhalte in KI-gesteuerten Umgebungen sichtbar bleiben. Das trifft einen Nerv. Denn wenn KI-Systeme zunehmend zum ersten Kontaktpunkt zwischen Publikum und Information werden, reicht interne Workflow-Optimierung allein nicht. Dann braucht es eine Architektur, die Inhalte strukturiert nach außen bringt. Und genau da wird die Frage nach offenen Schnittstellen und API-driven-Ansätzen wie bei Purple sehr konkret.
3. Journalismus muss wieder näher an die Menschen
Das Panel „Journalismus, na und?" war für mich die schärfste Selbstkritik des gesamten Summits. Martin Machowecz (Die Zeit), Stephan Lamby, Julia Reuschenbach (Universität Hamburg) und Oliver Hollenstein (WAZ), moderiert von Eva Quadbeck (RND). Der Grundtenor: Journalismus ist vielerorts zu weit weg von den Lebenswelten der Menschen, zu meinungsgetrieben, zu wenig im Austausch mit dem Publikum.
Hollenstein formulierte es direkt: Zu oft hätten sich Journalisten entschieden, die schnelle Meldung vom Schreibtisch zu schreiben, anstatt zu den Leuten zu gehen. Victoria Reichelt, die das Summit co-moderierte und für das ZDF-Format Funk arbeitet, unterstrich: Menschen folgen Menschen, nicht Medienmarken. Das gelte besonders für jüngere Zielgruppen. Machowecz berichtete, wie die Zeit Redakteure gezielt zu eigenen Marken entwickelt und damit Glaubwürdigkeit und Bindung stärkt.
Sarah Brasack vom Kölner Stadt-Anzeiger zeigte, wie das konkret aussehen kann: regelmäßige Community-Events für 150 bis 170 Personen, die gleichzeitig eine neue Erlösquelle darstellen.
Meine Einschätzung: Technologie muss genau hier ansetzen. Wenn Automatisierung Routineaufgaben übernimmt, entsteht Raum. Die Frage ist, wofür Redaktionen diesen Raum nutzen. Für die nächste Optimierungsschleife oder für echte Nähe zum Publikum.
4. Plattformarchitektur wird zum Wettbewerbsfaktor
Ein roter Faden durch die Deep Dives und viele Gespräche: Verlage denken zunehmend in Ökosystemen statt in CMS-Vergleichen. Die Frage „Welches CMS nutzt ihr?" wird abgelöst durch „Wie sieht eure Architektur aus?"
Im Deep Dive „Skalierende Plattformen für relevanten Journalismus" ging es um modulare Systeme, Cloud-Agnostik und die Vermeidung von Vendor-Lock-in. Johannes Horak von jambit zeigte Wege zu skalierbarer, unabhängiger IT-Infrastruktur. Auf dem Efficiency-Track wurde deutlich, dass inkrementelle Printautomation allein nicht mehr ausreicht, denn wer Formatkonvergenz und Multichannel-Skalierung ernst nimmt, braucht Systeme, die Digital-First und Print in einem durchgängigen Workflow verbinden.
Das deckt sich mit dem, was wir in unseren Gesprächen immer wieder hören. Verlage suchen Lösungen, die sich in bestehende Landschaften einfügen, statt diese zu ersetzen. Klare Rollen, saubere Schnittstellen, langfristige Skalierbarkeit. Genau diesen Ansatz haben wir zusammen mit ppi Media am gemeinsamen Stand gezeigt.
5. Die Integration von Technologie und Redaktion entscheidet alles
Wenn ich die verschiedenen Stränge des Summits zusammenführe, landet alles bei einem Punkt: Die Frage ist nicht mehr, ob Verlage Technologie einsetzen, sondern wie tief sie in die redaktionelle Arbeit integriert ist.
Im Bereich Subscription wurde deutlich: Wachstum kommt aus Beziehungen, nicht aus Reichweite. Greg Piechota von INMA und Gard Steiro von Verdens Gang zeigten, wie erfolgreiche Abo-Modelle auf konsequenter Kundenorientierung basieren. Im Bereich Advertising war der Tenor ähnlich nüchtern: Einfach mehr Werbung auszuspielen ist keine Strategie, wenn die Nutzererfahrung darunter leidet.
Und beim Thema KI-generierter Content braucht es Qualitätskontrolle, klare Haltung und transparente Prozesse. Düfferts Formel „Trusted Brands are our Future" gilt auch hier. Geschwindigkeit allein reicht nicht, wenn die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt.
Schnellere Content-Zyklen und gleichzeitig Glaubwürdigkeit und Haltung, das geht nur mit integrierten Lösungen, die Effizienz und journalistische Qualität zusammendenken. Kein Entweder-oder.
Fazit
Die Branche steht nicht am Anfang der Transformation. Sie steht mitten in der Umsetzung. Ich finde Hannover hat gezeigt: weniger Abwarten, mehr Pragmatismus, mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Das macht optimistisch.
Ein großes Dankeschön an das MADSACK-Team für die hervorragende Organisation und an alle, die sich die Zeit für offene Gespräche genommen haben. Ich bin gespannt, welche der Hannover-Gespräche bis zum nächsten Jahr zu konkreten Projekten geworden sind.
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